leöni
Sieben traurige Jahre
Sieben Jahre - Peter Stamm

Das ist mein zweites Buch von Peter Stamm. Ich hätte nicht gedacht, dass mir dieser Autor so gut gefallen würde. Anders als bei "Agnes" ist dies die Geschichte von Menschen, die mir nicht natürlicherweise ans Herz gewachsen sind.

Oh je, den Protagonisten kann man nur schütteln, über seine Feigheit und sein Selbstbelügen. Auch in diesem Buch liest man kein unnötiges Wort, und alles was man liest gleicht einem Schlag in die Magengrube. Situationen und Emotionen sind gestochen scharf beschrieben. Da bleibt kein Raum für ein "Aber!", man kann nur absorbieren und hinnehmen und am Ende den Kopf schütteln. Ihn vielleicht ein bisschen gegen die Wand schlagen. Oder weinen, auch immer eine Option. 

 

Ein gutes Buch. 

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Literaten Elf auf dem Feld

Was schön. Beginn der Weltmeisterschaft fast verschlafen, gäbe es nicht diesen herrlichen Artikel XD

Kaz hat einen Plan!
Six of Crows - Leigh Bardugo

Dieses Buch wurde mir angediehen mit den Worten: "Bestes Fantasybuch, dass ich seit langem gelesen habe!". Mhm. Schrauben wir unsere Erwartungen also mal angemessen hoch.

Drei Seiten später war ich gelangweilt. Fantasy scheint nicht mehr so ganz mein Metier zu sein. Ich fand es unglaublich schwierig mich in diese Welt reinzulesen. Ungeheuer viele Begrifflichkeit, die sie beschreiben und deshalb keinen Eindruck in meinem Gehirn hinterlassen. Fremdwörterduden lesen ist spannender, weil mehr Mehrwert!

Hat man sich dann erst mal reingelesen, ist es gar nicht mehr so übel. Außerdem habe ich eine Schwäche für die Arschloch-Protagonisten mit weichem Kern. Wenngleich Kaz schon außerordentlich scheiße drauf ist. Aber nicht ganz ohne Humor :D Was übrigens für fast alle Charaktere der Banditengruppe gilt. 

Fazit? Ich verbleibe neutral mit dem Urteil: Kann man lesen und vertreibt die Zeit anständig mit vielen Sympathiepunkten für blöde Witze am Wegesrand. Minus für Erleuchtung. Könnte aber auch daran liegen, dass die wenigsten Fantasybücher Erleuchtung bringen XD

Elliots auf Reisen
Persuasion - Jane Austen

No. It does not come to me in quite so direct a line as that; it takes a bend or two, but nothing of consequence. The stream is as good as at first; the little rubbish it collects in the turnings, is easily moved away.

 

Hach, man muss sie schon gern haben, unsere gute Jane Austen. Und am Ende kriegt jeder was er verdient. Schön ist das. Über emotionalen und sonstigen Tiefgang kann man vielleicht streiten, aber es ist doch immer wieder ein netter Zeitvertreib eines ihrer Bücher zu lesen. 

Beren und Tinúviel
Beren und Lúthien - J.R.R. Tolkien, Alan Lee,  Christopher Tolkien, Hans-Ulrich Möhring, Helmut W. Pesch

Gerade noch mal auf den Klappentext geguckt: "Den Leser erwartet die schönste Geschichte Tolkiens."

Ja, ich finde Mord und Totschlag und Tod auch immer ganz schön... 

 

Jetzt habe ich das Bedürfnis meine eklatanten Wissenslücken mit dem Silmarillion aufzufüllen. In meinem Kopf schwirren lauter Namen. Und danach dieses Buch vielleicht noch mal lesen.

 

Gibt es irgendwelche Fragen?
Der Report der Magd - Margaret Atwood, Helga Pfetsch

Ich kann nicht sagen, dass dieses Buch mich berührt hat. Nicht auf einer tiefgründigen emotionalen Ebene. Ekel, ja. Wut, sicher. Aber in meinem Hinterkopf summte doch die ganze Zeit die Frage, wie es dazu hat kommen können. Obwohl in diesem Buch die Dystopie zumindest teilweise erklärt wird, zumindest nach und nach, und man also nicht einfach in einen Status quo geworfen wird. Vielleicht liegt es am falschen Kontinent, dass ich mir eine fanatische Monotheokratie hier nicht vorstellen kann, aber ich möchte nicht glauben, dass es so einfach sein soll ein gewachsenes System umzukehren. Nun gut, das Buch ist aber mittlerweile auch schon etwas älter und viele Themen die hier geächtet werden, waren zum Zeitpunkt des Erscheinens neu erkämpfte Rechte (Abtreibung etc. Die Rechte der Frauen sind ja traurigerweise noch nicht sehr alt..) und somit eher angreifbar. Davon abgesehen erscheint mir der Tyrannenstaat Gilead einfach nicht logisch und wir erfahren nicht wirklich etwas über das warum (Sexmägde anzuschaffen um das Problem des schwindenden Bevölkerungswachstums zu lösen aber Sex generell als Schandtat zu verbieten und nur bestimmten Klassen zu gewähren, und auch nur bestimmten Klassen Kinder zu gewähren und Frauen als Strafe zu sterilisieren scheint doch nicht sehr zielführend). Ich habe mich jedoch während des Lesens bei dem Gedanken ertappt, wie wohl die umliegenden Länder zu einem solchen System stehen, da hier ja nur von Amerika die Rede ist, und musste feststellen, dass dieser Aspekt, sowie die allgemeine Brutalität und Machtgier in meinen Augen durchaus realistisch ist. 

Zur Geschichte selbst, ich glaube hier hätte ich am Ende doch den Cliffhanger bevorzugt, so wie es ist wird es nur noch undurchsichtiger. 

 

Am meisten in Erinnerung wird mir von diesem Buch ein Zitat der Autorin noch vor der ersten Seite bleiben:

"Das wichtigste, was man über die Gesellschaft, die in diesem Buch beschrieben wird, wissen sollte, ist, daß nichts neu ist - außer der Zeit und dem Schauplatz und ein paar Details. Die anderen Taten sind alle irgendwann begangen worden, und mehr als nur einmal." (Margaret Atwood)

 

Dem möchte ich nicht widersprechen. Ich widerspreche dem beschriebenen Umgang der Menschen miteinander in diesem Buch, frei nach dem Motto: Einer gegen alle und alle gegen einen. 

Video
Oh, Agnes!
Agnes - Peter Stamm

Ach, was für ein schönes Buch. Kein Wohlfühlbuch in dem Sinne, auch kein Gutfühlbuch. Aber ein Mitfühlbuch. Wie das Leben so spielt: Freudig, traurig, schaurig, schön und oft auch furchtbar und hier so real, dass mir oft die Gänsehaut kam und ich ein bisschen Löcher in die Luft starren musste, bevor ich weiter las. 

...
Patria - Fernando Aramburu

Dieses Buch erzählt eine große, viele kleine furchtbare Geschichten mit einer unglaublichen Leichtigkeit. Es werden die Täter und Opferrollen in einem durch Terror gezeichnetem Land ausgelotet, genauso wie die Täter und Opferrollen im täglichen Miteinander.

Der Schreibstil ist gut zu lesen, verlangt aber eine gewisse Konzentration. Die Perspektive des Erzählers wechselt manchmal innerhalb eines Satzes. Außerdem betrachten wir Erinnerungen von den Mitgliedern zweier Familien in wilder Reihenfolge, was eine Orientierung manchmal schwer macht. Ich finde es spannend, wie der Autor es schafft so viele verschiedene Charaktere auszuformen, die alle mit ihrem Schicksal unterschiedlich umgehen und dabei, vor allem (für mich) die Hauptfigur Bittori als Witwe eine stille Kraft und Wärme ausstrahlt, die ihr eigentlich im Buch selbst abgesprochen wird.Für mich bleibt nach der Lektüre noch eine entscheidende Frage offen, die nach dem "Warum?", wobei die Antwort wahrscheinlich genau die ist, dass manche Sachen unerklärlich sind. So eine traurige Geschichte vom Leben, obwohl das Ende nicht gänzlich hoffnungslos ist.  

Löwen wecken
Löwen wecken - Ayelet Gundar-Goshen, Ruth Achlama

...Dieses Buch hat mich in seinen Bann gezogen.

 

Ich habe ein großes Problem mit bedeutungsschwangerem Geschwafel in Büchern, hier waren es aber gute Sätze (was mir auch erst richtig bewusst geworden ist, als ich beim Rummaulen kein gutes Beispiel finden konnte, was mich in meiner Maulerei bestätigt hätte). Aber selbst wenn dem so gewesen wäre, die Geschichte alleine entwickelt ein rasantes Tempo, bei dem jedes Geschwafel verziehen werden kann. Der Klappentext lässt einen schon ahnen, dass hier mit der eigenen Moral gespielt wird. Ein Arzt fährt einen Menschen um und begeht Fahrerflucht. Der Konflikt der daraus entsteht hat alleine genug Potential für einen Roman, aber plötzlich wimmelt es nur so von schicksalshaften Begegnungen. Ich habe den Arzt für seine Feigheit zu Beginn der Geschichte verachtet -um in den starken Emotionen zu bleiben, die das Buch tragen. Viel Hass, Erniedrigung und Demütigung gegenüber Liebe und Verbundenheit. Aber die Sympathien und Antipathien die man in diesem Buch im Bezug auf die einzelnen Charaktere entwickelt verändern sich am laufenden Band. Hier ist nichts Gut oder Böse, Schwarz oder Weiß. Das Ende dann mit einem leisen sehr lauten Knall von einer Seite zur letzten. Ich wurde zurückgelassen mit Unglaube und einem Gefühl von: "Das kann doch nicht angehen!" Im selben Moment irgendwie nicht überraschend. 

 

Ein gutes Buch, in dem gar nichts geklärt wurde. Wie es so häufig ist. 

 

Das Kratzen auf der Geige
Eine Studie in Scharlachrot -  Arthur Conan Doyle

"Wer weiß, ob du Sherlock Holmes zu deinem Stubengenossen wählen würdest, wenn du ihn kenntest"

 

Fürwahr. Wer weiß das schon. Keine Ahnung, wie sich Arthur Conan Doyle im Original liest, aber nach dieser Exkursion ins literarische Antiquariat müsste man eigentlich gleich die nächste Watson-Holmes Geschichte anschließen, um es heraus zu finden! Dann auf Englisch, versteht sich. 

 

Irgendwie erstaunlich, dass diese kleinen Kriminalgeschichten so berühmt geworden sind. Die Fälle sind natürlich äußerst spannend, und Sherlocks unkonventionelle Art sie zu lösen unterhaltsam, aber trotzdem recht nüchtern. Das ist wahrscheinlich der Gang der Zeit. Außerdem ist es der erste Fall und wir lernen die Protagonisten und uns so bekannten Figuren (nicht zuletzt durch die wunderbare BBC Serie, Träumchen) erst kennen. Ich frage mich, wie sich die Beziehungen hier entwickeln werden. Watson ist ein eher stiller und begeisterter Beobachter, Sherlock ein erstaunlich gutmütiger Kerl. Die Sprache/Übersetzung, wie Eingangs gesagt, unfassbar knarzig, mit einer Geschichte in der Geschichte, die wie ein Märchen anmutet. 

Alf Widdershaine
Lost in a Good Book - Jasper Fforde

His arrogant and confident manner had given way to a lonely desperation, and as his eyes met mine I saw tears spring up and his lips tremble. It was, to a committed Schitt-hater like myself, a joyous spectacle.

 

Was für ein herrlich abstruses Buch! Ich dachte beim Lesen unweigerlich an Dirk Gently (in Form der Serie, nicht des Buchs) und dass man hieraus eine ebenso bunte und verrückte Serie machen könnte. Tolle Vorstellung :D

 

Ich bin mir nicht sicher, wie viele Witze ich verpasst habe, aber es sind genug übrig geblieben um giggelnd in den öffentlichen Verkehrsmitteln zu sitzen und sich zu freuen. Dabei hatte ich aber nie den Eindruck, dass es erzwungene Komik war, die irgendwann ausgelutscht war. Der Plot an sich ist dabei noch nicht mal so spannend, oder vielleicht spielt er auch einfach nur eine untergeordnete Rolle (in meinem Kopf?), weil der Alltag an sich schon genug Spannung bereithält. Mir gefällt die Vorstellung dieser Parallelwelt, in der man in Büchern - im wahrsten Sinne des Wortes - ein und ausgehen kann.

 

Größte Begeisterung hier, die war nach dem ersten Buch der Serie nicht da :)

 

 

Quote
She looked at the next question on her sheet. "Who would you prefer to sit next to?" "A nun or a knitting granny, if that's possible." "Hmm," mused the check-in girl, studying the passenger manifest carefully. "All the nuns, grannies and intelligent non-amorous males are taken. It's technobore, lawyer, self-pitying drunk or copiously vomiting baby, I'm afraid."
"Technobore and lawyer, then." She marked me down on the seating plan and then announced: "There will be a slight delay in receiving the excuse for the lateness of the DeepDrop to Sydney, Miss Next. The reason for the delay in the excuse has yet to be established."

Lost in a Good Book - Jasper Fforde      

Der Kocht kocht
Der Koch - Martin Suter

Martin Suter und ich werden glaube ich nie die besten Freunde.

Kurzweilig zu lesen. Unterhaltsam diese feinen Unterschiede beim Schweizer Deutsch. 

Aber... Der Plot? Meine heimische Bibliothek war sehr optimistisch und hat einen kleinen Sticker mit dem Wort "Thriller" auf den Rücken geklebt. Und in der "Thriller und Krimi" Abteilung war der Roman auch zu finden. Das allein hatte ohne Frage schon einen nicht geringen Unterhaltungswert. Vielleicht war der Sticker nötig, weil man sonst nicht drauf gekommen wäre, oder die Damen und Herren der Bibliothek das Buch konsequent immer zu den Romanen und Erzählungen sortiert hätten.

 

Es wird viel gekocht, es gibt Menschen mit und ohne Moralvorstellung, viele brisante und aktuelle, politische Themen die wichtig sind. Aber all das hat mich nicht ergriffen. Zu viel Klischee, zu flach erzählt. Und das Ende? Abrupt. Natürlich "schockierend", theoretisch, aber der Weg dahin war dann doch zu sachte, und die Reflektion danach zu non Existent, dass es irgendeinen Eindruck hinterlassen würde.  

 

Next, please. 

Die Leiden des Meister Dobbin
Vanity Fair - William Makepeace Thackeray

Lange Ausstehend, aber so hatte ich die Chance das Buch noch etwas sacken zu lassen :D In elitärer Runde haben wir gestern festgestellt, dass Vanity Fair am Ende gar nicht so schlecht gewesen sein konnte, weil man hitzig diskutierte. Kurzum es ließ einen - wenngleich erschlagen - so doch nicht sprachlos zurück...

 

Auf Anfang. In diesem Buch ohne Helden springt die Geschichte zwischen Rebecca Sharp und Amelia Sedley und ihren jeweiligen Gefolgsleuten. Da tut sich mehr bei Becky, Amelias einziger, dafür um so treuerer Geselle ist Captain Dobbin. 

Es passiert erstaunlich wenig, beziehungsweise erstaunlich viel auf erstaunlich unspektakuläre Art und Weise. Ein steter Wechsel zwischen Passagen, die sich wirklich spannend lesen ließen und Passagen, die zum Abdriften geradezu motivierten. Wen interessieren die Lebensgeschichten ferner Verwandter, wenn sie, gemeuchelt in nur einem Satz, weiter keine Rolle mehr spielen werden? Genau.

Nichtsdestotrotz hat mich Herr Thackeray sehr amüsieren können, hatte ich doch das Gefühl, er lacht selbst die Hälfte der Zeit über seine Geschichte. 

Die Zeitsprünge haben mich jedoch fertig gemacht, die kann ich ja gar nicht  haben.

 

Ich muss mich hier kurz über die Qualität meiner Ausgabe aufregen:

Was ist mit der englischsprachigen Papierverarbeitungsindustrie?! Da hat man mal eine feine gebundene Ausgabe produziert und dafür kein graues Klopapier verwendet und trotzdem macht man sich nicht die Mühe den Mist in richtiger Laufrichtung zu drucken und binden? Es ist eine körperliche Anstrengung gewesen dieses Buch zu lesen. Also bitte Kinder, das nächste mal in der Berufsschule besser aufpassen! 

 

!!! spoiler alert !!!
Schöne neue Welt

 Mockingjay - Suzanne  CollinsIch hatte Band drei der Serie gar nicht so emotional in Erinnerung. Mir schwant der Film hat meinem ohnehin mitunter sehr löcherigem Gedächtnis hier nur nachgeholfen und die Erinnerung verklärt. Vielleicht war es gerade deshalb so emotional. In dem Buch wird nicht die ganze Zeit nur gekämpft und Leute sterben, dass passiert tatsächlich konzentriert erst am Ende, eigentlich begleiten wir Katniss in Distrikt 13, die versucht die Scherben ihres Lebens irgendwie beieinander zu halten. 

 

Die Hälfte der Zeit dachte ich, was für eine furchtbare, furchtbare Vision. Aber ich bin der Autorin ganz dankbar, dass auf der letzten Seite nicht eitler Sonnenschein herrscht. Mir gefällt, wie die Charaktere aufgebaut werden, und dass Unterschiede sichtbar werden zwischen den Gewinnern der Hungerspiele, die eine andere Art von Sicht auf die Dinge haben, neben den Rebellen, die sich im Zweifelsfalle nicht besser gebären als die Macht, gegen die sie kämpfen. Da kann einem echt schlecht werden. 

 

Catching Fire - Suzanne  CollinsBand zwei... Ich mag bei beiden Büchern, dass sie sich soviel Zeit lassen die Geschichte zu erzählen. Beziehungen zwischen den Personen verändern sich, so dass man es mitkriegt, kontinuierlich, keine Sprünge wo man denken muss: "Was hab ich denn jetzt verpasst?". Außerdem weiß man immer nur soviel, wie Katniss weiß, man bekommt also keine vorgefertigte Meinung mitgeliefert.

 

Und wieder: Gruselig, wie nah am wahren Leben das ganze geschrieben ist. Für mich von der Denkart und dem Kriegsszenario her absolut nicht aus der Luft gegriffen. Das macht es wohl noch schlimmer. 

liest gerade

Bereits gelesen: 40/272pages
Bereits gelesen: 270/536pages