leöni
Play it safe!
Elefant - Martin Suter

Ich glaube Martin Suter wollte unbedingt 40 Kapitel vollkriegen. Und woher wissen die Chinesen, dass der Elefant jetzt Sabu Barisha heißt. Hah! Von der Campwebsite vermutlich, aber sehr sehr vorbildlich, dass die ihn beim vollen Namen nennen, wo sie ihm doch soviel Emotionen entgegenbringen. Herr Suter, ich glaube wohl eher nicht. Davon abgesehen: Schon wieder Martin Suter. Das nimmt vielleicht Ausmaße an hier. Unglaublich. 

 

Ach, was für ein fantastisches Märchen. Zufälle über Zufälle.. Geld? Gar kein Problem! Idealisten am Start, Menschen mit besonderen Gaben und Romantiker (wobei das eine das andere nicht ausschließt). Man könnte gar nicht auf mehr hoffen! Tatsächlich war mir aber Schoch gleich sympathisch und dann auch noch Schoch gepaart mit seinem rosa Minielefant. Was soll ich sagen, ich war angetan. Das Ende, comme toujours... Diskutabel. Aber okay, Karma is a bitch, Suter wird richtig modern auf seine alten Tage. 

Entweder man liebt es oder man hasst es oder...
Die Känguru-Apokryphen - Marc-Uwe Kling

Ich hätte es ja lieber gehört, aber! Einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul ;)

Streckenweise schön wars. Manchmal auch sehr lustig! Im großen und ganzen ist entweder das selberlesen oder die Mischung der verbliebenen Reststücke einfach nicht ganz so gewitzt wie all die anderen Bücher, die ich bis jetzt gehört habe. Kurzum es unterhält gut für die Minuten zwischendurch. 

Klebreis
Herr Kato spielt Familie (Quartbuch) - Milena Michiko Flašar

Was für ein Krampf! Ich bin nicht überzeugt. Schon lange kein Buch mehr gelesen, dass so sperrig war. Gepaart mit nur so semi bis nullsympathischen Charakteren präsentierte sich mir ein Duo infernale. Dabei waren durchaus schmunzelige Sätze dabei, aber die Hälfte der Zeit hatte ich das Bedürfnis das Buch pathethisch stöhnen und augenrollend extra laut zuzuschlagen. 

 

Letztens war ich in Die Frau des Nobelpreisträgers. Toll diese Parallelen. 

Keine roten Schuhe unter meinem Dach!
The Rules of Magic: A Novel - Alice Hoffman

Diese Frau hat was, über 30 Romane geschrieben?!?! Da darf man seine Erwartungshaltung wohl nicht zu hoch schrauben. Irgendwie ganz nett, aber leider nicht sonderlich aussagekräftig. Ich wundere mich immer ein bisschen, wenn ich nach der Hälfte des Buches denke: "Worum soll es hier eigentlich gehen?". Das war hier der Fall. Eigentlich ist nicht sehr viel (aussagekräftiges, bemerkenswertes) passiert. Es gab Familiendramen und Herzschmerz und dann waren alle alt. Tadaaaaaa.

Kann man unterwegs lesen, denn wenn man etwas unkonzentriert ist hat man eigentlich nicht viel verpasst. Es sei denn, der ganze tiefere Sinn der Geschichte ist vollkommen an mir vorbei gegangen, dann natürlich Asche auf mein Haupt. 

Doppelresidenzbeziehung
Montecristo - Martin Suter

Martin Suter gehört nun wirklich nicht zu meinen Lieblingsautoren. Dieses Buch jedoch hatte so ein schön handliches Format. Genau richtig um damit einmal durch die Republik zu zockeln. Was war ich überrascht, die Geschichte verdient tatsächlich mal die Bezeichnung "Thriller", wenngleich die Schreibweise zum Teil ein bisschen spießig dünkt. Man kann aber viele neue schöne (schweizerdeutsche) Wörter lernen, und sich ein bisschen über schweizerische (?) Artikelvergabe wundern. Ich sage nur der Event. Duden sagt, kannst du schon so machen, ich denke... njää. 

 

Also, das ganze in einem Rutsch durchgelesen und was dann? 

 

Baaaaaaah. Bei dem Ende kam mir das Kotzen. Widerlich! 

 

Moralisch UND menschlich verwerflich. Ich habe ja so meine Zweifel, dass ein so integrer Mensch wie unser Protagonist so handeln würde. Aber nun gut, Herr Suter (Was die Autokorrektur übrigens entweder zu Guter oder Super umwandelt, haha) dachte sich wahrscheinlich, juhu, voll das schockierende Ende, ich bin so weltpolitisch versiert, yeah. Und ich (Kulturbanause) denke, finde ich aber doof. Beziehungsweise wenn schon, dann bitte bis zum Schluss gehen: 

 

Und Brand den Freitod wählen lassen. Das hätte ich plausibler gefunden, als dass er sich nach ein paar schmachtenden Worten wieder mit seiner Trulla verträgt und alle best friends for life am Ende seine Premiere feiern. Ne, ist klar. Bahhhh.

(show spoiler)

 

Was soll ich sagen, es unterhielt mich sehr. 

Ach, Menschen!
Neujahr: Roman - Juli Zeh

Schlümm. Menschen. Hier eine Geschichte von gut gemeint ist nicht gut getan. 

 

Gutes Buch, liest sich einfach so weg. Aber Aua, wenn sich die Geschichte vor einem entrollt. Mit einem tollen konsequentem Ende!

Angeknabberte Hundekekse
Raumpatrouille: Geschichten - Matthias Brandt

Scheinbar habe ich die Saison der kurzen Bücher eingeläutet :D

Aber sie unterhalten doch sehr, auf die eine oder andere Art. Dieses hier auf eine wortwörtliche unterhaltsame Art. An Sylvester saßen wir zu Tisch und hörten, dass Matthias Brandt Sylvester nicht sonderlich mag und wie an anderen Abenden bereits um zehn zu Bett geht. Kein Wunder also, dass bei der Frage: "Hast du eine Buchempfehlung für mich?" prompt dieses kleine Bändchen die Bühne betrat. Lauter kurze Geschichten, einige kannte ich schon, weil sie mir einmal kichernd vorgelesen worden sind. So ging es mir fünf Minuten später auch, als der kleine Erzähler Hundekekse der Geschmacksrichtung Pappkarton knabbernd aus dem Fenster blickt...

Manche der Geschichten sind brüllend komisch, andere ein wenig nachdenklicher, aber alle mit feinem Witz geschrieben. Wunderbar zum mit anderen Teilen :)

 

Zen
Herr Origami - Jean-Marc Ceci, Claudia Kalscheuer

Meeeeeehhhh. Und es hatte so gut angefangen! Ärgerlich.

 

Kleine Bücher mit viel bedeutungsschwangerem Text finde ich ja grundsätzlich eher schwierig. Da war es doch schön, dass man die Sätze nicht fünf mal lesen und die Gehirnwindungen neu koppeln musste um Sinn aus diesen wenigen Wörtern zu machen. Das Thema auch durchaus schön: Eine kleine, wenig akkurate Beschreibung japanischer Papierherstellung. Das Restauratorenherz hüpft. Ein bisschen Zen vor einem zerknitterten, pardon, gefalteten Papier. Toll. Hier hätte das Buch für mich schon aufhören können. Leider musste der Autor dann doch noch einen tieferen Sinn im Ganzen finden (Liebe, Schuld, ungelebtes Leben! Die ganze Palette!) und recht ungelenk zu Papier bringen.

Da hilft nur noch Seufzen.

 

Das Jahr geht zur Neige

Da ist es schon wieder fast Mitte Dezember und alles erschlägt einen. Zeit und Lust für gar nix mehr und dann auch noch Weihnachtsgeschenke organisieren. Gelesene Bücher im November: Nüschte. Höchste Zeit den Reset Button zu drücken, und mal kurz durchzuatmen :)

 

 

Ist ja nicht so, als lägen da nicht fünf angefangene Bücher in der Ecke (mindestens). Nächstes Jahr dann wieder!

 

 

 

Auri
The Slow Regard of Silent Things - Patrick Rothfuss

Lang überfällig...

 

Eine nette Erzählung. Spontan kann ich mir vorstellen, dass dieses Buch eine der Geschichten wäre, die jemand einem Kind erzählen würde, das um eine Geschichte bettelt. Ich mag die ganze Welt und im besonderen die Sorgfalt der Beschreibung hier. Auch wenn die meisten Szenen reichlich abstrus erscheinen (Nachwort lesen!!! ;)).

 

"Foxen was frightened and full of mountains. [...] She didn't blame him. She knew what it could be like. Some days simply lay on you like stones. Some were fickle as cats, sliding away when you needed comfort, then coming back later when you didn't want them, jostling at you, stealing your breath."  Patrick Rothfuss

 

Manche Gefühlszustände trifft er auf den Kopf und die Illustrationen erinnern mich, bis auf Auri selbst, ein kleines bisschen an Chris Riddell. Wem geht denn da nicht das Herz auf?!

Video

Man braucht gutes Sitzfleisch aber ansonsten ein sehr schöner Film über die Vielseitigkeit und Bedeutung von öffentlichen Bibliotheken. Seufz, wenn ich an manche deutschen Krücken dieser Institution denke... 

Für die philosophischen Stunden
Die Kunst des Liebens - Ernst Mickel, Liselotte Mickel, Erich Fromm

Viel schönes dabei. Dieses Buch, dass Mutti mir lang lang ist's her in die Hand drückte mit den Worten "Kannst du mal lesen" habe ich in meinen Mußestunden während der Arbeit gelesen... Da konnte man Gelerntes dann gleich anwenden im Umgang mit Otto Normalgrummel ;) 

 

Das Buch ist von 1956 und vertritt somit definitiv schon einige sehr moderne Weltanschauungen. Trotzdem stolperte ich ebenfalls über einige Stellen die in ihren antiquierten Ansichten leichtes Kopfschütteln hervorriefen so zum Beispiel:

"Im Charakter ebenso wie in der sexuellen Funktion existieren Männlichkeit und Weiblichkeit. Den maskulinen Charakter könnte man so definieren, daß er die Eigenschaften der Durchdringung, Führung, Aktivität, Disziplin und Abenteuerlust besitzt, der feminine Charakter dagegen hat die Eigenschaften schöpferischer Empfänglichkeit, des Beschützen, des Realismus, des Erdulden und der Mütterlichkeit." S. 58

Oder auch:

"Vaterliebe ist bedingte Liebe. Ihr Grundsatz lautet "Ich liebe dich, weil du mein Erwartungen erfüllst, weil du deine Pflicht tust, weil du mir ähnlich bist" [...] Die Haltung des Vaters und der Mutter gegenüber dem Kind entsprechen den Bedürfnissen des Kindes. Der Säugling braucht die bedingungslose Liebe und Fürsorge der Mutter sowohl körperliche als auch physisch. Um das sechste Lebensjahr herum beginnt das Kind jedoch, die Autorität und die Führung des Vaters zu brauchen. Die Mutter hat die Funktion, ihm Lebenssicherheit zu bieten; der Vater dagegen hat die Aufgabe, das Kind zu lehren und es bei der Auseinandersetzung mit den Problemen jener Gesellschaft zu führen, in die das Kind hineingeboren wurde und der es gegenübersteht." S.65f

 

Das gesagt kann eine nicht unerhebliche Redundanz nicht verleugnet werden (und der Autor spricht das sogar im Vorwort an, aber eigentlich im Bezug auf andere seiner Werke...njaaaa). Beim Kapitel "Gottesliebe" bin ich dann kurzzeitig komplett ausgestiegen. Auch nimmt eine Hasstirade gegen Freud einen Großteil der Abhandlung ein (aber durchaus verständlich ist der Ansatz hier doch nicht rein sexuell und triebgesteuert erklärt). Nichtsdestotrotz fanden kluge Worte mein Entzücken: 

 

"Die Nächstenliebe ist Liebe zwischen Gleichen; aber selbst als Gleiche sind wir in Wirklichkeit nicht immer "gleich", denn da wir Menschen sind brauchen wir Hilfe - heute ich, morgen du. Dieses Verlangen nach Hilfe bedeutet nicht, daß der eine hilflos, der andere stark ist. Hilflosigkeit ist ein vorübergehender Zustand; die Fähigkeit, auf eigenen Füßen zu stehen und zu gehen, ist dagegen der übliche und dauerhafte Zustand." S.71f

 

"Der Mangel an Objektivität im Hinblick auf fremde Nationen ist noch häufiger - und gefährlicher. Von einem Tag zum anderen wird einer andere Nation als gemein und feindselig empfunden, während die eigene Nation all das verkörpert, was gut und edel ist. [...] Wenn man das Verhältnis zwischen den Menschen überprüft, so kommt man tatsächlich zu dem Schluß, daß Objektivität die Ausnahme und ein mehr oder weniger großes Maß an narzißtischer Verzerrung Regel ist." S. 155

 

Aber genug mit Zitaten um mich geschmissen, selber lesen!

 

 

Image
24 festive tasks
24 festive tasks

Seine Biederkeit trotzte jedem Sturm

 

Oh, wie schön! Ein Adventskalender in jeglicher Form findet immer meine Begeisterung. Die ersten Aufgaben dann auch noch meinen Humor, ich habe sehr gelacht musste ich doch gleich an diesen speziellen Grabstein denken...

Fröhliche festliche Zeit :)

 

Japan erreichen
Liebes Leben - Alice Munro

Mhm, doch.

 

 

Diese Kurzgeschichte hat mir gefallen. Anders als "Kies" wesentlich optimistischer. Eine Frau, die mal eben so ihre Lebensumstände ändert. Sie hat mich erheitert zurückgelassen.

Dabei bin ich mir ziemlich sicher, dass das nicht alle so sehen!

Lucy in the sky
She's not there - Tamsin Grey

Beim ersten Anlauf konnte mich das Buch nicht so richtig in seinen Bann ziehen und beim zweiten war ich etwas betrübt, wie schnell sich die Seiten so dahinblätterten...

Eigentlich eine traurige Geschichte, zum Weinen gebracht hat sie mich aber nicht. Unsere beiden Protagonisten ein 6 und ein 9 jähriger Junge bringen mich ein bisschen zum Schmunzeln. Die Autorin hat die Kinder in ihrer verqueren Vorstellung von der Lage und wie man damit am besten umgeht ziemlich gut gezeichnet (soweit ich das beurteilen kann, an meine Denkweise in dem Alter habe ich nun wirklich nicht viel Erinnerung). Unter anderem Situationen die durch ihr Verhalten (Verstecken, sich als jemand anders ausgeben als sie sind und dabei immer Kichernd und Prustend) von ihnen verschlimmbessert werden, sodass man als "vernunftbegabter" Erwachsener nur das Gesicht verzieht und mit erhobenem Zeigefinger losbrüllen möchte: "Das ist nicht lustig!". Um so schöner, wenn neben der grandiosen Fehleinschätzung der Kinder, die Erwachsenen auch so richtig danebenhauen. Das Buch endet zwar nicht mit einem Überraschungsmoment, aber man will ja eine Erklärung, das hält bei der Stange. 

 

Das einzige was mich etwas gestört hat waren die zum Teil furchtbar (alt-)klugen Gedanken eines verzogenen 6 Jährigen, stellenweise doch ein bisschen zu abgehoben. Außerdem ist mir die Mutter noch etwas fern, ihr Charakter wurde mir zu grob gezeichnet, dafür dass es eigentlich um sie ging. 

Kies
Liebes Leben - Alice Munro

Soll ich dir eine Geschichte vorlesen? Ja. Aber bitte keine glückliche!

Okay, such dir eine aus! Kies!

Also dann. Kies.

 

Von Alice Munro habe ich noch nie was gelesen. Diese Buch habe ich geschenkt bekommen, und ich bin voller Neugierde. Doch "Kies" war tatsächlich keine glückliche Geschichte. Bekanntlich soll man ja aufpassen, was man sich wünscht... Irgendwie ganz schnörkellos, schlecht zum vorlesen aufgrund der kurzen Sätze, aber eigentlich genau das, was der Titel verspricht. (Gerade mal nachgeschaut, der englische Titel ist "Dear Life" also tatsächlich mal eine wörtliche Übersetzung, die dank des deutschen Wortspiels leider nicht zur Geltung kommt.) Ich bin gespannt auf die anderen Geschichten, ich ahne es wird bittersüß.

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