leöni
Quote
I know that the tune I am piping is a very mild one (although there are some terrific chapters coming presently), and must beg the good-natured reader to remember, that we are only discoursing at present about a stockbrokers's family in Russell Square, who are taking walks, or luncheon, or dinner, or talking and making love as people do in common life, and without a single passionate and wonderful incident to mark their progress of their loves.

Vanity Fair (William Makepeace Thackeray)

Mr. Makepeace Thackeray! Sie unterhalten mich sehr, es sei Ihnen verziehen :D

The Hunger Games - Suzanne  Collins

Wofür so ne Woche krank zu Hause im Sessel lümmeln nicht alles gut ist. Man kann zum Beispiel sämtliche televisuellen Bildungslücken auffüllen. Genau das habe ich dann auch gemacht, und schwuppdiwuppdi alle Hunger-Games Filme hintereinander weggeschaut. Zurückgeblieben ist das nagenden Gefühl, dass man die Bücher doch auch noch mal lesen könnte. 

 

Gesagt, getan. Zumindest Band 1

 

Abgesehen von der wunderbaren Dystopie, die zum Zehennägeln kräuseln ist, gefällt mir hier die subkutane Liebesgeschichte ganz besonders gut. Oder man könnte sagen dieses Buch vertritt gleich zwei meiner favorisierten Genres: Negative Zukunftsvisionen und Liebesgeschichten die spannend bleiben, weil sich A und B nur in Paralleluniversen zu finden scheinen. Was will man mehr? 

Noch dazu lässt sich das Buch in einem Rutsch Weglesen und es gibt keine langweiligen Passagen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Geschichte aus der Perspektive der Protagonistin erzählt wird, die einen ausnahmsweise mal nicht aufgrund nervenaufreibender Naivität in den Wahnsinn treibt (außer vielleicht was zwischenmenschliche Beziehungen angeht). Ganz im Gegenteil sie ist nüchtern, aber nicht Gefühlskalt und es bleiben uns ätzende Sprünge durch diverse Erzählstränge und Handlungszweige erspart.

 

Nichtsdestotrotz. Mal einen Moment innehalten und darüber sinnieren, was die Autorin hier für eine kranke Welt erschaffen hat. Gruselig. Und dabei gar nicht mal so abwegig.

 

Old Filth
Ein untadeliger Mann: Roman - Isabel Bogdan, Jane Gardam

Dieses Buch hat jetzt schon eine ganze Weile in meinem Regal rumgestanden und mich angestarrt. Zusammen mit seinen zwei Geschwistern, aber vorher lese ich glaube ich erst mal was erheiterndes. 

Schade, dass der Wortwitz des Titels es nicht ins Deutsche geschafft hat. Obwohl "Ein untadeliger Mann" auch nicht die schlechteste Wahl ist. Allerdings sitze ich jetzt hier und denke mir: "Hm". Ich habe das Gefühl, ich müsste das ganze Buch nochmal von vorne lesen. Die Geschichte vom alten Eddie springt sowohl örtlich als auch zeitlich und eröffnet sich dem Leser nach und nach, alldieweil man nichts gutes ahnt. Die Auflösung am Ende ist dann eigentlich unwichtig. Irgendwie bin ich unzufrieden. In dieser Geschichte spielt so viel Enttäuschung seitens des Protagonisten mit (mein Eindruck, ich weiß nicht ob Enttäuschung das richtige Wort ist), aber dem Leser wird nie genau erklärt, woher diese eigentlich kommt, abgesehen vom Klassiker: Die Kindheit. Oder es liegt an der Passivität Eddies? Zu viele Charaktere und Erlebnisse werden angeschnitten, aber zu den meisten Beziehungen zu den andere Personen würde mir jetzt nicht viel einfallen. Ich glaube Eddie auch nicht ;)

 

Sehr gut geschrieben, ich habe das Buch gerne gelesen. Jetzt muss ich nur noch ein bisschen drüber nachdenken.

 

Buch für den Dezember? o.O

!!! spoiler alert !!!
Eine Rosie ist eine Rosie ist eine Rosie.
Der Rosie-Effekt: Noch verrückter nach ihr - Graeme Simsion, Annette Hahn

Blöd nur, wenn man Rosie nicht leiden kann.

Was für eine anstrengende Frau. Total unsympathisch. 

Fazit: Ein Buch zu lesen, in dem einem zu viele Charaktere nicht unbedingt die wärmsten Gefühle entlocken ist schwierig und oft wenig unterhaltsam. Dazu dann noch ein verkitschtes Ende nach einem ansonsten recht neutral gehaltenem Buch - sinnig, da aus der Ich-Perspektive. Dazu passendes Zitat:

"Ich wollte nicht nur Lydia schütteln, sondern die ganze Welt voller Leute, die den Unterschied zwischen der Kontrolle von Gefühlen und ihrem Fehlen nicht begriffen. Die die Unfähigkeit, Gefühle anderer zu erkennen, gleichsetzten mit der Unfähigkeit, eigene Gefühle zu erleben."

Don Tillman, Seite 372f 

Da kann einem dann schon fast übel werden. Warum überhaupt dieser Klischee Mist wir feiern unseren Protagonisten, alle finden ihn super, nur seine eigene Frau nicht. Die dann nach einem weiteren kleinen Klischee Vorfall vor versammelter Mannschaft, final, nach 400 Seiten (!) feststellt, dass sie doch den Mann geheiratet hat, den sie liebt. Überraschung. Ein bisschen Reflexion hätte ihr diese Erkenntnis bestimmt schon früher bescheren können.

 

Kurzum. Ich bin leider parteiisch. Nettes Buch...vielleicht (Obwohl Dons Gedankengänge eine Sperrigkeit besitzen, die bestimmt einen Prosapreis gewinnen würden). Aber diese Menschen! Ätzend!

Und links sehen Sie...
Reisen und andere Reisen - Antonio Tabucchi, Karin Fleischanderl

An dieses Buch bin ich mit anderen Erwartungen herangetreten. Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich von der Lektüre entsprechend ernüchtert war. Oder zunehmend mit jeder neuen Seite wurde. Schon nach den ersten Kapiteln (fast alle kurz und knackig) fiel mir auf, dass da etwas fehlte obwohl sie sich flüssig wegschroten ließen. Das ganze liest sich wie ein gut geschriebener Reiseführer zu Anfang und später dann mehr gehobene Literaturkritik (hier dann auch etwas zäher). Allerdings finde ich Reiseführer schon immer fürchterlich abstrakt, wenn ich nicht vor dem Schloss, der Burg oder der Gasse stehe, die mir da im Zweifelsfalle blumig beschrieben werden. Das vermittelt mir kein Gefühl. Dieses Buch war, trotz persönlichem Schreibstil erstaunlich Emotionslos. Nur manchmal klang da eine feine Note mit. Somit reduziert sich das ganze am Ende zu einer Anreihung von Buchvorschlägen (Das Reisen und die Literatur sind hier eng verknüpft und die Literatur erklärt die Orte...) gespickt mit: Dies und jenes soll und muss man gesehen haben. Wobei  es in der Einleitung noch heißt, der Otto Normal Tourist misse die schönen Plätze und Momente beim Abhaken von Sightseeinghighlights. Als "Oh! Die Gasse sieht schön aus, lass mal da lang gehen!"-Verfechter, reagiere ich da einen Hauch allergisch!

Davon abgesehen hat mir der Schreibstil gefallen, als es noch mehr um die Orte und weniger um die passenden Bücher dazu ging, da habe ich dann leider irgendwann abgeschaltet. Ich glaube dafür brauche ich etwas mehr Muße, oder auch einfach nicht.

 

 

Über ein Kapitel musste ich jedoch sehr lachen:

"Die Robinsons". Da fragt man sich wer war zuerst da, David Foster Wallace und sein "Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich" oder der gute Herr Tabucchi? Und warum eigentlich? ;)

 

Auch konnte man spannende Dinge lernen:

1668 vermietete die englische Regierung Bombay für die lächerliche Summe von zehn Goldpfund an die East India Company.

 

Wer hätte das gedacht? :D

 

Pfadfinder
Alte Wege  - Robert McFarlane

"Es gibt Nacht und Tag, Bruder, und beide sind schön; die Sonne, der Mond und die Sterne, sie alle sind schön; und auf der Heide gibt es den Wind. Das Leben ist schön, Bruder, wer wollte da sterben?"

Alte Wege - Robert Macfarlane

 

Das ist zwar nicht ganz richtig zitiert, denn Macfarlane hat es auch nur bei jemand anderem gelesen. Aber so schön wie das Zitat ist, so schön ist das Buch. Wieder mal so eine Lektüre, bei der nicht viel aufregendes passiert. Aber auf den meisten Wanderungen passiert ja auch nicht viel -filmreif- aufregendes. Dieses Buch war zum eintauchen, bis einem die Füße kribbeln. Wie schon bei "H wie Habicht" hätten mir die Passagen des Ich-Erzählers vollkommen gereicht, nichtsdestotrotz habe ich hier auch die anderen Passagen gerne gelesen. Mir gefällt die Idee, dass Wanderungen Ereignisse und Menschen verbinden. Das habe ich selbst schon so erlebt, und was für eine Freude, wenn das andere genauso sehen. Jetzt habe ich Lust mal wieder in die weite Welt zu ziehen.

Extatisch!
Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr: Roman - Lydia Rode, Walter Moers

Was für eine Freude mal wieder ein Walter Moers Buch zu lesen. Lang lang ists her!

 

Ich bin ganz und gar angetan. Ich fand schon "Das Labyrinth der träumenden Bücher" zum Schmunzeln, das damals herbe Kritik geerntet hat... Hier ist es wieder so: In einem guten Buch muss mitnichten viel passieren. Aber es ist wohl so wie mit den Actionfilmen und den Jim Jarmuschs, nicht jeder kann das Aushalten (oder sich darauf einlassen?). Beziehungsweise, was heißt schon nicht viel passieren, nur weil nicht alle zehn Seiten ein Haus in die Luft fliegt. Stattdessen wird das Sich-aus-einer-brenzligen-Situation-winden eben zwanzig Seiten detailreich, mitnichten langweilig, beschrieben! Ich liebe dieses Spielen mit der Sprache und freue mich, jeden Absatz aufs neue, wenn ich im modernen Sprachsumpf verschwundene Wörter antreffe zusammen mit dem manchmal mehr manchmal weniger subtilen Humor. Herrlich! Dazu noch ein traurig schönes Ende, so wie das Leben.

 

"Liebe, Hass, Wut, Angst, Neid, Trauer - das sind nur Worte. Für Dinge, die erheblich größer und komplexer sind als die größten Sterne im Universum. Und die soll ich dir in drei Sätzen erklären, ohne dass dir das Hirn rotiert? Daran kannst du mal sehen, wie jung du bist. Du bist noch viel zu klug." 

 

Prinzessin Insomnia & der alptraumhafte Nachtmahr - Walter Moers

 

Quote
The devil fetch ye, ye ragamuffin rapscallions; ye are all asleep.

Moby Dick - Herman Melville

Ying und Yang und das ewige Gleichgewicht
Wächter der Nacht - Christiane Pöhlmann, Sergej Lukianenko, Sergei Lukyanenko, Erik Simon

Njaaaaaa. 

Bevor ich es vergesse: Ich freue mich jedes Mal wenn der Begriff "Liebe machen" auftaucht. Eine herrliche Mischung aus seltsam antiquiert und kitschig. 

Jetzt kann man aber auch sagen, dass der Name hier Programm ist. Neben Licht und Dunkel geht es eigentlich nur um die Liebe. Wir wissen es ja alle. Die ist kompliziert. Allerdings habe ich dann doch irgendwann den Faden verloren bei all den Andeutungen und Halbwahrheiten, Ganzlügen und Pläne schmieden. Lauter Kompott. Dabei fand ich den Anfang gut und kurzweilig. Ab der Hälfte wurde es dann mehr langweilig :D Oder undurchschaubar. Trotzdem sinniere ich darüber, wie es wohl weitergehen wird? Mhm...

Zzzzzzzz...
Das Lied von Eis und Feuer 01: Die Herren von Winterfell by Martin, George R.R. (2010) Paperback - George Eliot

 

"...die scheuen Blicke" 

 

Die Scheuen Blicke, die ein sieben-jähriges Mädchen einem Jungen zuwirft und dann als fad befunden wird!! Ich finde das kann noch nicht einmal Fantasy rechtfertigen. 

Der Schreibstil ist zum Gähnen und was soll das mit den Zehntausend Personen die gleich eingeführt werden, die am Ende eh alle nur sterben werden, wenn man den Gerüchten glauben schenken darf. Und überhaupt, was ist aus den schönen Einsteckkarten in Büchern geworden, auf denen alle wichtigen Personen verzeichnet sind. Ich habe den Eindruck George R.R. Martin möchte den Russen Konkurrenz machen.

 

Ich habe das Buch auf Seite 66 entnervt zugeklappt, und die Lektüre auf unbestimmt vertagt. Vielleicht sollte ich es nochmal versuchen, wenn der Winter naht :D 

 

 

Wir finden Hyänen leider scheiße!
Schiffbruch mit Tiger - Yann Martel, Gabriele Kempf-Allié, Manfred Allié

Schwupps, und schon wieder durch mit dem Buch.

Nach einem etwas zähen Anfang, wo man erstaunlich viel über Faultiere lernt (I like!) und philosophischen Abschweifungen über Gott (not so much!) geht es in rasantem Tempo weiter. Zumindest was die abnehmende Anzahl an Protagonisten angeht. Wer hätte gedacht, dass die Geschichte eines Schiffbrüchigen auf See so spannend sein kann. Robinson Crusoe hatte ja immerhin mehr Spielfläche...

Obwohl Pi seltsam altbacken redet, kann man einen gewissen Humor nicht leugnen. Zu meiner großen Unterhaltung. Davon abgesehen gab es Momente die mir den Magen umgedreht haben und zum Schluss sitzt man mit Schnappatmung wie der Fisch auf dem Trockenen und wundert sich, wie, wo, was. Soziale Gefüge in Notsituationen sind kein Ort an dem ich mich in meinem Leben zwingend wiederfinden wollte! Moral ist schwierig.

 

Tüpfelhyäne. Gar nicht mal so hässlich.

 

Zum Auftakt!

Im schönen hohen Nordnorwegen fing das neue Lesejahr mit "Wann wird es endlich wieder so schön wie es nie war" an und am Ende stritten sich drei um das Buch. Man könnte meinen das kann was heißen! Tatsächlich konnte man das Buch sehr gut lesen. In kurzen Kapiteln erzählt der Autor Geschichten aus seinem Leben eher unzusammenhängend und lose chronologisch geordnet. Möchte man erheitert werden, sollte man allerdings erst mal zu einem anderen Buch greifen oder rechtzeitig aufhören... Fängt das ganze noch recht heiter an, spitzt sich der Verlauf und die Tragik der Ereignisse immer weiter zu. Vieles wird nur angedeutet, aber das reicht aus. Warum nicht mal ne Runde heulen. Seelenwäsche soll ja gesund sein. Das Ende ließ mich dezent in den Seilen hängen.

 

Moby Dick ein kurzes Lächeln geschenkt und etwas über Wale in allen Buchbinderformaten gelernt (No shit Sherlock! :D) wand ich mich dann doch lieber einer leichteren Lektüre zu - sowohl im übertragenem als auch im realen Sinne - "Nathalie küsst":

Kurzweilig, zauberhaft, schön! - Mabus Rezension

Dem kann ich mich nur anschließen. Im Gegensatz zum davor angefangenem "Die Eleganz des Igels" (KOTZ, wobei der Film doch sehr schön war. Das Buch habe ich nach drei Kapiteln und vollkommener Entgeisterung in die Ecke gepfeffert) nicht so furchtbar Möchtegern-philosophisch. In die Erzählweise musste ich mich erst reinlesen, dann war es aber schnell verschlungen :) Sehr gefallen haben mir die Fußnoten und die Minikapitel mit scheinbar wahllosen Zusatzinformationen. Die haben auf eine schöne Art und Weise die Handlung wieder aufgenommen. Bemerkenswert fand ich, dass die Übersetzung dem Französischen Sprach Sing-Sang sehr ähnelte, das macht doch mal ein Lesegefühl der besonderen Art! :)

 

Ein dreifach Tusch für Wilhelm Busch. Ein neues Jahr kann beginnen.

 

 

liest gerade

Bereits gelesen: 200/809pages
Bereits gelesen: 113/480pages
Bereits gelesen: 245/536pages
Unorthodox - Deborah Feldman, Christian Ruzicska
Das Lied von Eis und Feuer 01: Die Herren von Winterfell by Martin, George R.R. (2010) Paperback - George Eliot