Der Report der Magd - Margaret Atwood, Helga Pfetsch

Ich kann nicht sagen, dass dieses Buch mich berührt hat. Nicht auf einer tiefgründigen emotionalen Ebene. Ekel, ja. Wut, sicher. Aber in meinem Hinterkopf summte doch die ganze Zeit die Frage, wie es dazu hat kommen können. Obwohl in diesem Buch die Dystopie zumindest teilweise erklärt wird, zumindest nach und nach, und man also nicht einfach in einen Status quo geworfen wird. Vielleicht liegt es am falschen Kontinent, dass ich mir eine fanatische Monotheokratie hier nicht vorstellen kann, aber ich möchte nicht glauben, dass es so einfach sein soll ein gewachsenes System umzukehren. Nun gut, das Buch ist aber mittlerweile auch schon etwas älter und viele Themen die hier geächtet werden, waren zum Zeitpunkt des Erscheinens neu erkämpfte Rechte (Abtreibung etc. Die Rechte der Frauen sind ja traurigerweise noch nicht sehr alt..) und somit eher angreifbar. Davon abgesehen erscheint mir der Tyrannenstaat Gilead einfach nicht logisch und wir erfahren nicht wirklich etwas über das warum (Sexmägde anzuschaffen um das Problem des schwindenden Bevölkerungswachstums zu lösen aber Sex generell als Schandtat zu verbieten und nur bestimmten Klassen zu gewähren, und auch nur bestimmten Klassen Kinder zu gewähren und Frauen als Strafe zu sterilisieren scheint doch nicht sehr zielführend). Ich habe mich jedoch während des Lesens bei dem Gedanken ertappt, wie wohl die umliegenden Länder zu einem solchen System stehen, da hier ja nur von Amerika die Rede ist, und musste feststellen, dass dieser Aspekt, sowie die allgemeine Brutalität und Machtgier in meinen Augen durchaus realistisch ist. 

Zur Geschichte selbst, ich glaube hier hätte ich am Ende doch den Cliffhanger bevorzugt, so wie es ist wird es nur noch undurchsichtiger. 

 

Am meisten in Erinnerung wird mir von diesem Buch ein Zitat der Autorin noch vor der ersten Seite bleiben:

"Das wichtigste, was man über die Gesellschaft, die in diesem Buch beschrieben wird, wissen sollte, ist, daß nichts neu ist - außer der Zeit und dem Schauplatz und ein paar Details. Die anderen Taten sind alle irgendwann begangen worden, und mehr als nur einmal." (Margaret Atwood)

 

Dem möchte ich nicht widersprechen. Ich widerspreche dem beschriebenen Umgang der Menschen miteinander in diesem Buch, frei nach dem Motto: Einer gegen alle und alle gegen einen.