Reisen und andere Reisen - Antonio Tabucchi, Karin Fleischanderl

An dieses Buch bin ich mit anderen Erwartungen herangetreten. Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich von der Lektüre entsprechend ernüchtert war. Oder zunehmend mit jeder neuen Seite wurde. Schon nach den ersten Kapiteln (fast alle kurz und knackig) fiel mir auf, dass da etwas fehlte obwohl sie sich flüssig wegschroten ließen. Das ganze liest sich wie ein gut geschriebener Reiseführer zu Anfang und später dann mehr gehobene Literaturkritik (hier dann auch etwas zäher). Allerdings finde ich Reiseführer schon immer fürchterlich abstrakt, wenn ich nicht vor dem Schloss, der Burg oder der Gasse stehe, die mir da im Zweifelsfalle blumig beschrieben werden. Das vermittelt mir kein Gefühl. Dieses Buch war, trotz persönlichem Schreibstil erstaunlich Emotionslos. Nur manchmal klang da eine feine Note mit. Somit reduziert sich das ganze am Ende zu einer Anreihung von Buchvorschlägen (Das Reisen und die Literatur sind hier eng verknüpft und die Literatur erklärt die Orte...) gespickt mit: Dies und jenes soll und muss man gesehen haben. Wobei  es in der Einleitung noch heißt, der Otto Normal Tourist misse die schönen Plätze und Momente beim Abhaken von Sightseeinghighlights. Als "Oh! Die Gasse sieht schön aus, lass mal da lang gehen!"-Verfechter, reagiere ich da einen Hauch allergisch!

Davon abgesehen hat mir der Schreibstil gefallen, als es noch mehr um die Orte und weniger um die passenden Bücher dazu ging, da habe ich dann leider irgendwann abgeschaltet. Ich glaube dafür brauche ich etwas mehr Muße, oder auch einfach nicht.

 

 

Über ein Kapitel musste ich jedoch sehr lachen:

"Die Robinsons". Da fragt man sich wer war zuerst da, David Foster Wallace und sein "Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich" oder der gute Herr Tabucchi? Und warum eigentlich? ;)

 

Auch konnte man spannende Dinge lernen:

1668 vermietete die englische Regierung Bombay für die lächerliche Summe von zehn Goldpfund an die East India Company.

 

Wer hätte das gedacht? :D